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Jetzt wird’s grün: Mein Weg zum Gartentraum

Ich liebe Gärten. Dabei würde ich von mir nicht behaupten, dass ich einen besonders grünen Daumen hätte oder voller Inbrunst das Unkraut jäten oder Rasen mähen wollte. Ich habe auch gar keinen Garten. Zumindest bis jetzt. Denn ab dem Frühjahr 2020 bin ich nun doch eine stolze Gartenbesitzerin. Aber mal von vorne.

Meine erste Erinnerung an einen Garten ist die vom Schrebergarten meiner Großeltern. Sie hatten im Herzen des Ruhrgebiets ein kleines Stück ländliche Idylle und wir Enkelkinder kamen immer gerne zum Spielen. Der Acker lieferte Kartoffeln, Kohl, Zucchini und mehr, die Obstbäume und -sträucher hingen voll reifer Früchte.

Ein besonderer Moment, als Opa einfach eine Karotte aus der Erde buddelte, sie kurz abrieb und mir in die Hand drückte. Oder Oma, die mir am Ende des Besuchs immer erlaubte, einen Strauß ihrer wundervollen Blumen zu schneiden, damit ich ein bisschen Garten in meinem Kinderzimmer auf die Fensterbank stellen konnte. 

Eine schwere Entscheidung

Leider wurden die Abstände zwischen den Tagen, die ich auf diesem schönen Fleckchen Erde verbrachte, immer größer, als auch ich es wurde. Schule, später Studium, Auslandsaufenthalt. Und auch die Interessen verschoben sich natürlich. Dennoch kam ich selbst mit meinem Freund, damals frisch verliebt, heute schon lange verheiratet, in den Garten. Und mit meiner ersten Tochter, die als Kleinkind auf der Wiese (mittlerweile ohne Acker, da Oma den Garten alleine bewirtschaften musste) ihre ersten Schritte übte. 

Als die Entscheidung anstand, ob wir den Garten von Oma übernehmen wollten, haben wir uns dagegen entschieden. Schweren Herzens, aber trotzdem überzeugt. Denn neben zwei Kindern, zwei Jobs, einer Wohnung und einem großen Freundeskreis konnten mein Mann und ich uns nicht vorstellen, wie es ist, sich auch noch einem Garten zu verpflichten.

Der Wunsch nach einem Garten war immer da

Also lag das Thema eine Weile brach. Wir genossen Ausflüge in die nahegelegene Gruga, die unsere ältere Tochter liebevoll “unseren Garten” nennt, und freuten uns auf Besuche bei Freunden und Verwandten mit einem Stückchen Grün vor dem Haus. Doch irgendwie ließ mich der Wunsch nach einem eigenen Garten nie richtig los. Er wurde nur von anderen Bedürfnissen übertönt.

Vielleicht war es Zufall, vielleicht möchte ich es aber auch Schicksal nennen. Im Sommer 2019 entschieden wir uns, das Mobilheim meiner Schwiegereltern auf einem niederländischen Campingplatz zu übernehmen. Seit Jahren waren wir dort schon für Urlaube hingefahren und hatten jedes Mal insbesondere den kleinen, knapp 100/150 Quadratmeter großen Garten genossen. Mit Liebe zum Detail und dem Wissen, dass manche Pflanze robuster ist als andere, hat meine Schwiegermutter den Garten so angelegt, dass er auch ein paar Wochen ohne die schützende und pflegende Hand eines Gärtners auskommt. Mit dem Ergebnis, dass jedes Mal, wenn wir dort  ankamen, der Garten schon von weitem leuchtete. Außer einmal, als wir während einer Hitzewelle im Hochsommer ankamen…

Nachhaltigkeit als Gartenkonzept

In jedem Fall liebe ich diesen Ort. Und ich habe beschlossen, ihn in den kommenden Jahren noch nachhaltiger und umweltbewusster zu gestalten. Einerseits kann ich so meinem Wunsch nach einem Gartentraum nachgehen, andererseits lernen auch unsere Kinder, dass Tomaten an Sträuchern und Äpfel an Bäumen wachsen – und entwickeln vielleicht selbst eine Leidenschaft und einen grünen Daumen.

Ich freue mich auf diese Reise, auf die Herausforderungen, die zu bewältigen sind (Stichwort: Bewässerung mit Regenwasser), und die schönen Momente, die ich mit meinen Lieben in diesem Garten verbringen werde (Stichwort: Bewässerung im Plantschbecken). Auf dass das Erbe meiner Großeltern einfach an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit Früchte tragen mag.